Wie umgehen mit Chefs in Social Networks?

Bei Natascha Ljubic fand ich gerade folgende Grafik aus einer aktuellen Bitkom-Erhebung. Es geht darin um das Thema wie Community-Mitglieder ihre Freunde auswählen bzw. mit wem sie Verbindungen eingehen.

Keine Freundschaftsanfragen von Fremden, Politikern und flüchtig Bekannten anzunehmen ist ziemlich einleuchtend, wenngleich es nicht alle so handhaben. Hier möchte ich kurz auf BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich)-Obmann Josef Pucher hinweisen, der bzw. dessen Social Media Gurus das Kunstück zuwege brachten, mich auf Facebook ganze drei Mal erfolglos zu frienden…

Heikel wird es dann, wenn Vorgesetzte, Teamführer oder gar CEOs via Social Networks anklopfen und um eine Verbindung ersuchen. Oder auch im umgekehrten Fall, nämlich dann, wenn Mitarbeiter ihrerseits Vorgesetzte “frienden” wie es neudeutsch so schön heißt. Was tun? Wie wir sehen lehnen es 33% der Befragten ab, Chefs oder Vorgesetzte als “Freunde” zu akzeptieren. Und haben dafür wohl auch gute Gründe.

Ich habe während der letzten Wochen die Mögichkeit genutzt, mir Unternehmen und deren Art intern mit Freundschaftsanfragen über Social Networks umzugehen anzusehen, habe ein paar Gesäche geführt und interessane Dinge gelernt. Eines gleich vorweg: Für alle Beteiligten ist es ein heikles Thema, das das Potential hat, zu Unsicherheiten, manchmal sogar zu Verstimmungen zu führen. Nachfolgend klassifiziere ich sechs Cheftypen, die ich mir hinsichtlich ihres Verhaltens in sozialen Netzwerken bzw. ihrem Zugang zum Thema Social Networking im Allgemeinen angeschaut habe.

Der Freundliche
Diesen Chef-Typus findet man insbesondere in kleineren Unternehmen. Der Chef ist stets präsent und ansprechbar. Er (natürlich immer auch sie…) nutzt soziale Medien mehr oder weniger intensiv, findet jedoch nichts dabei, wenn ihn Mitarbeiter adden und macht in sozialen Netzwerken auch schon mal selbst den ersten Schritt. Er macht keinen Unterschied ob es jemand “vom Band” oder jemand aus dem Marketing ist. Er hat sozusagen alle seine Kollegen gleichermaßen lieb, fühlt sich als primus inter pares und zeigt dies auch in Social Networks.

Der freundlich Bestimmte
Dieser Typ Chef lässt sich nicht von jedem seiner Mitarbeiter frienden. Die eine oder andere Freundschaftsanfrage blieb auch schon mal unbeantwortet. Ein Umstand der via Flurfunk bereits die Runde macht. Freundschaftsanfragen von Untergebenen bleiben ab diesem Zeitpunkt meist ohnehin aus. Der Typ freudlich-bestimmt friendet seinerseits Leute aus dem mittleren und oberen Management bei kleineren Unternehmen dann halt Leute wie den Vertriebschef oder die Prokuristin. Zu allen anderen wird meist Abstand gehalten.

Der zurückhaltend Reservierte
Der Typ freundlich-bestimmt und der zurückhaltend-reservierte Typ Chef haben einiges gemeinsam. Der zurückhaltend Reservierte geht mit Freundschaftsanfragen aus dem Unternehmen generell sehr vorsichtig um und wählt sehr genau aus. Wenn überhaupt, so akzeptiert dieser Typ Chef nur noch Leute, die in der Karriereleiter ebenso oder annähernd so hoch gestiegen sind wie er oder sie selbst. Es kommt selten vor, dass dieser Typ in sozialen Netzwerken von sich aus tätig wird. Ist dies doch der Fall, so geht es wieder nur um einige wenige Auserwählte, die der zurückhaltend Reservierte Typ via Social Networks friendet.

Der Unnahbare
Für diesen Typ Chef sollten Soziale Medien oder Social Networking Seiten eigentlich tabu sein, möchte man meinen. Dennoch haben auch solche Chef-Persönlichkeiten Accounts auf Xing, Linkedin oder Facebook.  Chef-Typen dieser Art sind bei der flüchtigen Begegnung im Aufzug ebenso reserviert wie in sozialen Netzwerken. Die wenigen eingegangenen Verbindungen betreffen meist Personen außerhalb des Unternehmens. Freundschaftsanfragen von Mitarbeitern bekommt dieser Typ Chef meist gar nicht erst. Und wenn, er oder sie würde nicht im Traum daran denken diese auch positiv zu beantworten.

Der Neugierige
Eine überaus interessante Spezies Chef in sozialen Netzwerken ist der Neugierige. Cheftypen dieser Art sehen in sozialen Medien eine willkommene Möglichkeit mehr zu erfahren oder besser herauszufinden über Mitarbeiter egal welcher Hierarchiestufe des Unternehmens. Demensprechend häufig sprechen sie Einladungen in sozialen Netzwerken aus und akzeptieren diese auch. Das hier gewonnene Wissen wird gesammelt und auf unterschiedliche Art verwendet. Die Neugier des Chefs in sozialen Netzwerken muss dem einzelnen Mitarbeiter jedoch nicht per se zum Nachteil gereichen. Es kann auch sein, dass Chefs die über diesen Weg gefundene Informationen dazu verwenden, besser auf den Einzelnen einzugehen, ihn zu fördern, näher kennen und verstehen zu lernen.

Der Kontroll-Freak
Jede Verbindung, jede Freundschaft die der Kontroll-Freak innerhalb des Unternehmens eingeht, sichert ihm mehr – erraten – Kontrolle. Um genau die geht es ihm. Deswegen ist es Kontroll-Freaks weitgehend egal, aus welchen Hierarchiestufen des Unternehmens heraus sie gefriendet werden und sie frienden auch aktiv selbst. Dass der Kontroll-Freak die in den Social Networks über seine Mitarbeiter gesammelten Infos dann auch im (Mitarbeiter-) Gespräch einsetzt, hat sich im Unternehmen nicht selten schon herumgesprochen. Mitarbeiter die den Kontroll-Feak bereits zu ihren Kontakten zählen  passen ihre Privacy-Settings mit der Zeit entsprechend an und feilen an ihrer digitalen Reputation, schließlich liest “Feind” ja mit. Kontroll-Freaks laufen dadurch gerfahr immer weniger und weniger zu erfahren obowhl sie ja mit vielen aus dem Unternehmen verbunden sind. Die vom Kontroll-Feak verschickten Freundschaftsanfragen bleiben meist lange unbeantwortet bzw. werden von Mitarbeitern auf die Lange Bank geschoben. Ausreden wie “Passwort vergessen” oder “ich bin da so selten, bitte entschuldigen Sie…” bekommen Kontroll-Freaks immer mal wieder zu hören.

Fakt ist: Soziale Netzwerke bilden die Hierarchie eines Unternehmens nur unzureichend ab. Diesen Umstand sollte sich jeder Chef vor Augen führen wenn er oder sie daran denkt in sozialen Netzwerken ein eigenes Profil anzulegen. Wenn Probleme sozusagen vorprogrammiert sind, würde ich eher dazu tendieren, die Finger vom Social Networking zu lassen. Umgekehrt sind auch Mitarbeiter gut beraten, sich zu überlegen, ob sie Vorgesetzte oder Chefs aktiv frienden bzw. von ihnen eintreffende Anfragen positiv beantworten wollen oder nicht.

Interessant ist auch folgender Punkt: Mir ist bislang kein einziges Unternehmen untergekommen, das Regeln hat oder seinen Mitarbeitern vorschreibt, wen sie zu frienden haben oder ob sie Chefs und Vorgesetzte hinzufügen müssen oder nicht. Ich möchte solchen Regel auch überhaupt nicht das Wort reden, da sie einer Bevormundung des Mitarbeiters und wohl auch einem Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte darstellen, der abzulehnen ist. Mitarbeiter sollten sich auf jeden Fall überlegen, welchen Typ Chef sie haben und ob sie diesen zu ihren Verbindungen zählen wollen oder nicht. Ein freundlich “Ach wissen Sie, ich verwende Facebook ausschließlich um mit meiner Verwandschaft in den USA in Verbindung zu bleiben… ich habe gesehen Sie sind auf Xing, wollen wir uns hier verbinden?” wirkt manchmal Wunder.

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Tweets embedden, so gehts!

Wir kennen das Problem. Einzelne Tweets konnten bislang nur über Screenshots eingebunden werden. Zwar konnte man auf den Tweet auf Twitter verlinken, aber richtig nutzerfreundlich war das nicht. Mit seinem neuen Layout schafft Twitter nun Abhilfe. So lassen sich Tweets neuerdings embedden, also sauber z. B. in ein Blog einbauen. Und das ganze geht so!

Schritt 1) Man wählt auf Twitter einfach jenen Tweet aus der embedded werden soll und klickt auf “Öffnen” – Der Tweet klappt sozusagen auf und dann auf “Details”

Schritt 2) Twitter stellt nun HTML, Kurzwahl oder Link zur Verfügung und gibt die Möglichkeit die Darstellung anzupassen (also rechsbündig, zentriert, linksbündig). Unterhalb sieht man den Tweet, wie er dann im Blog, auf Posterous oder wo auch immer aussehen wird.

Schritt 3) Im Backend des Blogs (ich verwende WordPress) den HTML-Code mit Steuerung+C / Steuerung+V einfügen, auf “Speichern” klicken und fertig!

Das gaze sieht dann so aus:

Interessant dabei ist die eingebaute Funktion, dass man über Klicken des “Folgen”-Buttons dem jeweiligen Tweet gleich folgen bzw. im ersten Schritt auf dem Twitter-Profil landet und hier “Follow” klicken kann. Ein Twitter-Konto natürlich vorausgesetzt. Ich denke, dass dies aus Kommunikaitonssicht ein durchaus spannender Punkt sein könnte, über den man die Bekanntheit eines Twitter-Kanals pushen kann. Vorausgesetzt natürlich, dass darin enthaltent Tweets entsprechend oft embedded werden. Aber wie immer machen auch auf Twitter die Inhalte die Musik.

Es bleibt abzuwarten ob sich diese und andere Twitter-Features (da kommt sicher noch einiges) auf die Userzahen in unseren Breiten positiv auswirken.

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ING-DiBa oder die Frage worüber Facebook Fans diskutieren dürfen

Dass Unternehmen auf ihren Facebook Seiten von Fans niedergeschrien werden ist ein alter Hut. Was aber, wenn das Social Medie Outlet eines Unternehmens zur Diskussion eines Themas genutzt wird, das wenig bis gar nichts mit der Marke zu tun hat? Studieren kann man diese Frage derzeit auf der Facebook-Page von Ing Diba, einer Bank, die sich derzeit genau mit diesem Problem konfrontier sieht.

Flickr / rogersmj

Bild: AttributionNoncommercial thx 2 rogersmj / Flickr.com

Neu ist es ja keineswegs, dass Nutzer in ihren Kommentarbeiträgen abschweifen, thematisch über das Ziel hinausschießen, neue, zum Teil abwägige Facetten eines Themas beleuchten oder sich anderwertig abseits des zuvor Gesagten oder Intendierten bewegen. Der Forenbetreiber sieht es und ärgert sich vielleicht darüber. Schließlich ging es ihm um die Diskussion des eigentlichen Themas und nicht eines seiner Derivate. Vielleicht ist er auch gewift und dazu in der Lage die Debatte zu drehen, zurück zu bringen zum eigentlichen Thema. Dieser Zug dürfte für ING-DiBa jedoch abgefahren sein. Was war passiert?

In Kurzform nicht mehr, als dass Ing Diba einen Werbespot drehte, der Basketball-Superstar Dirk Nowitzki in einem Fleischerladen zeigt, in dem er sich genüsslich ein Stück Wurst in den Mund schiebt. Das Video gibt es hier. So banal es auf den ersten Blick auch erscheinen mag, es ist der Stein des Anstoßes, der Auslöser einer erbittert geführten Debatte darüber, ob es nun ethisch-moralisch verwerflich ist Fleisch zu essen oder nicht. Diese Debatte wird mit einer Schärfe geführt, dass es einem wirklich den Magen aushebt. So tauschen die Fans sogar unterschwellige Drohungen aus und greifen zum Teil in die untersten Schubladen. Und – fast nebenbei bemerkt – diese Debatte findet auf der Facebook-Page einer Bank statt…

Ich habe jetzt ein wenig gelesen, rumgesurft und versucht zu verstehen. Die Ding die mir dabei untergekommen sind nun der Reihe nach. Auf Brand-News lese ich gleich mal das Hammer-Vokabel “Shitstorm”. Das klingt schon mal gut und geht bekanntlich runter wie Öl. Es bringt Aufmerksamkeit und ist im Zeitalter geringer Aufmerksamkeit und schneller Klickfinger ein Garant dafür, dass man sich den zweiten Blick getrost sparen kann.

Ich kann mir nicht helfen. Sieht ein Shitstorm nicht anders aus? Was hier passiert, ist, dass eine Facebook-Page zweckentfremdet wurde. Dadurch nämlich, dass auf ihr ein Thema diskutiert wird, das mit dem Werbespot von Ing Diba wohl nur noch in homöopathischen Dosen zu tun hat. Aber ist das denn ein Shitstorm? Hier werden die Meinungen und Sichtweisen wohl stark auseinandergehen, denke ich. Aber niedergeschrien wird hier nicht das Unternehmen. Wer sich hier gegenseitig niederbrüllt, das sind die Nutzer. Und dies in den meisten Fällen ohne (!) dass man über das Unternehmen selbst oder seinen Werbespot herzieht.

Mirko Lange nimmt einen Online-Artikel der Süddeutschen oder besser seinen Verfasser aufs Korn, schwingt ganz gewaltig den Zeigefinger und fordert, dass auch in öffentlich zugänglichen Räumen Regeln zu gelten hätten. Nun, das mag stimmen und Mirko sagt auch spannende Dinge hinsichtlich öffentlicher versus öffentlich zugänglicher Räume. Die Frage ist bloß ob uns oder der ING-DiBa dies in der Sache weiterhilft. Es ist ganz interessant, dass Ing Diba einige Versuche unternimmt, der Debatte Einhalt zu gebieten. Zaghafte Versuche wohlgemerkt und zu einem Zeitpunkt, wo kommunikativ kaum mehr was zu holen ist. Mirko argumentiert weiters

Sicher war es zunächst legitim, die ING-DiBa im allerersten Post zu fragen, ob sie damit ein Statement “pro Fleisch” (und “contra Vegetarier”) abgeben wollte. Hier hätte die ING-DiBa bereits reagieren können müssen (…) Spätestens  aber durch die wilde Debatte, die sehr schnell völlig losgelöst von dem Werbespot war, haben die Kritiker ihre Legitimität verloren, die Debatte weiter (auf den Seiten der ING-DiBa) zu führen. Oder hat jemand eine andere Meinung, wodurch das legitimiert sein könnte? Gibt es ein Recht, dass jeder über alles überall reden und diskutieren darf? Wohl kaum!

Dieser Standpunkt ist nicht uninteressant. Es gibt mehrere Aspekte, an denen ich mich stoße. Erstens werden die Kritiker hier als großes Ganzes als mehr oder minder kohärente Masse angesprochen. Für mich sind es aber eher Einzelpersonen, die allesamt kein Fleisch zu essen vorgeben. Ja, es sind einige Rüpel dabei und sie sagen Dinge, die sofort gelöscht werden müssten (mir kamen z. B. unterschwellige Drohungen unter). Sieht man die Kritiker als geschlossenen Block (das tue ich nicht), lässt sich ihnen die Legitimation vielleicht noch eher absprechen. Aber ist meine Sicht hier etwa zu antiquiert, wenn ich meine, dass hier Menschen mit Menschen sprechen die ein Anliegen haben, nämlich den jeweils anderen zu erklären, warum es dumm, unethisch, moralisch verwerflich ist, Fleich zu essen bzw. es nicht zu tun? Sich mit mehr oder weniger guten Argumenten zu überzeugen, etc.

Klar kann nicht jeder über alles reden und diskutieren wo immer er möchte. Das unterschreibt jeder mal gerne. Andererseits, ist es als Unternehmen im Online Dialog klug, dem einen Diskussionsteilnehmer und seiner Argumentation die Legitimität zu-  dem anderen abzusprechen? Und grundlegend gefragt, ist es gar illegitim auf der Facebook-Page einer Bank, die sich zu einem Werbespot entschlossen hat, in dem der Hauptdarsteller Wurst-essend in einer Fleischerei abgebildet ist, eine Diskussion darüber zu führen, ob es besser oder schlechter ist Fleisch zu essen? Ich jedenfalls möchte nicht der sein müssen, der sagt, “So Kinderchen, jetzt habt ihr aber genug diskutiert, und jetzt husch-husch auf eure Special-Interest-Foren auf denen ihr weiter diskutieren könnt. Hier ist jetzt Schluss!”

Unternehmen sind nun mal im Gespräch bzw. bringen sich mit einer Facebook Page sogar aktiv ins Gespräch ein, machen sich angreif- und ansprechbar und haben imho auch die Risken dieser Exponiertheit zu tragen. Insbesondere auf ihren eigenen Social Media-Kanälen, die ja angeblich Diskussion in beiderlei Richtungen bringen sollen oder zumindest ursprünglich darauf ausgelegt waren.

Mein Fazit: Ja, man hätte Beleidigungen, persönliche Untergriffe und Drohungen seitens Ing Diba entschlossen abstellen müssen. Selbstverständlich auch durch Löschung. Dennoch möchte ich Fans nicht die Legitimation absprechen, auf meinem Kanal Themen zu diskutieren, die mich in dieser Form überraschen oder überfordern, die nur mehr am Rande mit mir, der Marke oder meinem Geschäftsgegenstand zu tun haben, die mir gerade zu Gesicht stehen oder nicht. Dieses Risiko gehe ich in dem Moment ein, in dem ich mit eigenen Social-Media Plattformen an den Start gehe.

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Corporate Sorry: Entschuldigung für Fortgeschrittene

Was tun Unternehmen eigentlich wenn etwas daneben geht, wenn etwas nicht klappt oder gar Kunden vergrault wurden? Sich möglichst öffentlich zu entschuldigen beispielsweise. Und in Zeiten sozialer Kommunikation geht das ganz einfach. Wozu schließlich hat das Unternehmen Homepage, Facebook & Co, wenn nicht auch dafür, Fehler einzugestehen, sich öffentlich Asche aufs Haupt zu streuen und mea culpa zu sagen?

Darüber, dass es bei diesem Corporate-Sorry nicht nur um ein kurzes “Entschuldigung” des Community Managers geht, sonder die Sache damit bestenfalls beginnt, habe ich im Blogpost “Wenn Social Media Manager sprechen und doch nichts sagen…” schon mal was gesagt. Jetzt zeigt die zu Johnson & Johnson gehörende Tamponmarke o.b. vor, wie man mit einem Corporate-Sorry einen veritablen Social Media Hit abliefert. Und das geht so.

Nachdem es in der Produktion des Tampons zu Problemen und in weiterer Folge zu Lieferengpässen inklusive Hamsterkäufen gekommen war, holt Johnson & Johnson jetzt zum öffentlichen Entschuligungs-Rundumschlag aus. Wie das geht? Es wurde ein personalisiertes Song-Video produziert (gesehen zuletzt unter anderem beim vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf), in welches Nutzer ihren Namen eintragen können und das ganze verbreitete sich über die Social Web Kanäle, allen voran Facebook und Twitter in Windeseile.

Wie sich das wohl anfühlt für eine Evangelistin, wenn sie von ihrer Marke o.b. besungen wird, wenn sie sieht, wie ernst es das Unternehmen doch mit seiner Entschuldigung meint. So ernst, dass es sich meinen Namen tätowieren lässt oder ihn mit Rosenblüten in den Sand schreibt..? Schmacht….

Eine tolle Idee, ein toller PR-Gag unter Zuhilfenahme sozialer Medien oder doch ein gundehrlicher und ernst gemeinter Weg, sich mit einer passion based audience wieder zu versöhnen? Es wird wohl von allem ein wenig sein, denk ich mal.

Ich hatte vor einigen Wochen ein Gespräch mit dem Community-Manager. Er, sorry, es war in Wirklichkeit eine sie ;) sagte etwas ziemlich Sarkastisches. Nämlich, dass es auf ihrer Facebook-Seite im Grunde genommen nie zu trivial zugehen kann, als dass sich nicht jemand finden würde, der dazu ganz wichtige Dinge zu sagen hätte. So nach dem Motto, verlose ein paar Freebies und Traffic, Engagement und Kommentare schießen ins Unermessliche. Ähnlich geht es mir mit diesem Video von o.b. Entschuldige dich für irgendein Missgeschick (wenn es so schlimm auch nicht war bzw. immer wieder mal vorkommen kann, ich meine wir sprechen hier von Lieferengpässen die es bei anderen Gebrauchsartikeln immer wieder mal geben kann…) und cash an der Viralitäts-Kassa in Form von Shares und Likes dann voll ab. Ist es so einfach, so trivial und müssen wir jetzt Angst haben, dass auch der Friseursalon um die Ecke seine Versäumnisse via personalisiertem Facebook-Video bekennt?

Also nochmal zurück zur Frage was das ganze war. PR-Stunt oder ehrlich gemeinte Entschuldigung. Je länger ich darüber nachdenke was es war, desto stärker rieche ich den PR-Braten und wende mich ab. Wenn Unternehmen jetzt schon damit anfangen, sich aus Entschuldigungen Aufhänger für PR- und Community-Aktionen zu stricken, dann weiß ich nicht, was wir als nächstes vorgesetzt bekommen. Fehler zu machen ist meiner Meinung nach ok. Sich hinzustellen, wie bespielsweise bei Chevrolet geschehen, sich zu erklären und zu sagen was Sache ist, Fehler einzugestehen, das finde ich noch besser. Diese Umstand jedoch aktiv anzuschieben auszuschlachten und als letzt Zeile des Liedes zu hauchen “lös den Guschein ein…” (natürlich nicht schlecht um die Aktion am POS exakt auszumessen), das finde ich fadenscheinig.

Welche Erfahrungen haben Sie  / habt ihr mit Entschuldigungen über soziale Medien? Ist das ein guter Weg? Was funktioniert, kommt also glaubwürdig rüber und wird angenommen und welche Form der Entschuldigung geht eher nach hinten los?

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Blogger-Relations – oder die Kunst lustvoll zu scheitern

Ich hatte in letzter Zeit einige Learnings in Sachen Online- bzw. Blogger Relations. Die Frage die sich Unternehmen hier stellt ist, wie geht man heran an die Berührungsgruppen, an die Evangelisten und sozial media vernetzten Communities? Ist es einfach nur der stets auf dem neuesten Stand befindliche Verteiler, über den man ab und an News oder Probepackungen verschickt oder geht es um mehr? Hier ein paar pesönliche Insights dazu, was funktioniert und was (noch) nicht.

Für den Innovationskongress 2011 war ich für die Online Kommunikation zuständig. Als es auf mein Bestreben hin dann doch ein Innovation-Blog gab, stellte sich die Frage des gezielten Aufbaus von Netzwerkbeziehungen und Links. Gesagt getan. Eine Blog-Parade zu machen kam für mich irgendwie nicht in Frage. Obwohl ich seit vielen Jahren privat und beruflich blogge, sah ich in Blog-Carnevals, -Paraden und dem Stöckchenwerfen, wie es oft genannt und an mich herangetragen wurde, wenig Sinn. Ich tat mir schwer dabei, fühlte mich als Hündchen, ich weiß nicht. Ein paar Mal machte ich wohl mit, ließ es dann aber sein und hatte die Maßnahem auch nicht mehr in meiner gedanklichen Toolbox. Das war ein Fehler!

Der Blog-Carneval entwickelte sich für den Innovationskongress irrsinnig gut. Zuerst wurden Blogs / Blogger definiert, dann per E-Mail kontaktiert. Heraus kamen zehn Blogposts ganz unterschiedlicher Qualität die jedoch allesamt entweder das Innovationsblog oder die Veranstaltung transportieren halfen. Und zwar nicht irgendwo, sondern eben genau in jener Community bzw. Leserschaft, für die Innovationsthemen eine Rolle spielen. Super Sache, da kaum Streuverlust, gegenseitige Wertschätzung, Aufbau von Reputation (für die Veranstaltungsarke), etc. Ein wichtiger Punkt war meiner Einschätzung nach aber auch die Tatsache, dass sich das Mitmachen an der Blogparade lohnte. Schließlich ging es um drei Tickets, die unter allen TeilneherInnen ausgespielt wurden. Regulärer Preis: Über 500 Euro. Ich denke das kann schon motivieren.

Beispiel zwei eines, das aktueller nicht sein könnte. Eine Agentur trat an mich heran und fragte mich, ob ich Social Media Marketing machen könnte für ein spezielles Produkt. Ich sah es mir mal an und sagte schließlich zu. Es geht um ein Kästchen, genauer gesagt ein Lifestyle-Möbel speziell für Teenager. Man kann es für seinen persönlichen Schnickschnack oder auch als “Badezimmerschrank” verwenden, in dem die Schminksachen Platz haben. Hier ein Video dazu (Zur Info: Video und YouTube Kanal stammen nicht aus meiner Feder).

Die Agentur dachte ganz schnell über eine Facebook Page nach (und tut es immer noch). Bislang konnte ich sie erfolgreich davon abhalten. Ich schlug eine Influencer-Kampagne vor, recherchierte in einem mir völlig unbekannten Feld (Schminken, Lipgloss, Hello Kitty…), definierte Bloggerinnen und trat via E-Mail (hier die Textbeispiele) an sie heran. Ziel des ganzen war oder besser ist, der Transport des Videos und das Generieren positiver Berichterstattung in den definierten Blogs.

Reaktion bis dato. Gering. Eine Bloggerin meldete sich per Twitter an mich persönlich. Sie hat mich falsch verstanden und reagierte auf meine Antwort nicht mehr. Ich meine was nicht ist, kann ja noch werden. Dennoch habe ich ein paar Fragen, die mir im Kopf herum geistern.

a) kann oder besser darf ich überhaupt zum Thema Beauty, Lipgloss und Kajal sprechen? Oder anders, bin ich ein glaubwürdiger Gesprächspartner für Menschen aus der Zielgruppe 15 bis 25? Ich blaube nicht.

b) Mein Kunde kann das Produkt nicht einfach verschenken. Es kostet über 600 Euro, da es sehr aufwändig produziert ist. Hier gehts übrigens zur Homepage. Es für Testzwecke nach Dortmund zu schicken und zurück, schlägt mit 90 Euro Porto zu Buche. Worauf ich hinaus will: Wie weit kann, soll oder darf man als Hersteller bei Blogger-Relations in Vorkasse gehen? Eine Frage die übrigens auch für den Social Media Berater relevant ist. Inwieweit ist es geschickt, Kunden vorzuschlagen, Dinge zu verschenken? Ist das bei Blogger-Relations ein Muss oder geht es auch anders?

c) Wäre es glaubwürdiger gewesen, sich ein paar Mädels aus der Zielgruppe zu holen und sie vor den Karren zu spannen? Sie womöglich gefakte Kommentare und Bewertungen schreiben lasse oder auf ihren Facebook-Accounts Jubelmeldungen und dafür mit Peanuts zu bezahlen? Dagegen verwehre ich mich. Außerdem ist diese Vorgangsweise zig Male am Online-Pranger gestanden.

d) Was wäre gewesen, hätte ich mich selbst als Teenager, als 15 jähriges Girlie ausgegeben? Nicht sinnvoll und aus ethischen Gesichtspunkten strikt abzulehnen. Siehe Punkt c!

Wie sehen nun meine (vorläufigen) Learnings aus:

1) Blogger-Relations funktionieren gut, wenn man in der Materie drinnen ist, wenn es schon vor der Kampagne Dialogbeziehungen gibt. Das habe ich zwar auch schon auf den Teenie- und Schminkblogs, den dazugehörenden Twitter- und Facebook-Pages gemacht, die Frage ist nur, ob ich hier glaubwürdig bin und genau das glaube ich nicht. bei Innovationsthemen oder meinetwegen im Bereich der OnlinePR bin ich trittsicher und manchem sogar bekannt. Auf Beauty-Blogs hingegen bin ich ein niemand.

2) Blogger-Relations sind pull, niemals push-Aktionen. Dialogpartner können mitunter sehr verschnupft reagieren, wenn sie das Gefühl haben, jemand will ihnen einfach nur etwas verkaufen und sie sagen das dann auch sehr klar. Mit diesem Feedback heißt es gut umzugehen und zu lernen, richtig zu reagieren und die passenden Schlüsse daraus zu ziehen. Ein “Danke wir haben ihr Feedback erhalten…”-E-Mail ist bestenfalls ein Beginn.

3) Glaubwürdigkeit ist bei Blogger-Relations mehr als nur Pflicht, sie ist unabdingbar. Die Frag ist jetzt natürlich, woraus sich meine Glaubwürdigkeit zusammesetzt. Ich denke das ist von Fall zu Fall, von einem Dialogpartner zum nächsten neu zu bewerten. Klar geht immer noch mehr. Jedoch ist mein Track-Record als Berater nicht der schlechteste. Interessiert das aber eine 18 Jährige Beauty-Evangelistin, die heute Probepackungen von Douglas und morgen von DM erhält (hier mal ein YouTube-Beispiel zur Einstimmung auf die Zielgruppe)? Nein, das interessiert sie mit Sicherheit nicht. Für sie setzt sich die Glaubwürdigkeit ihrer Gesprächspartner ganz anders zusammen. Vielleicht ist meine relative Glaubwürdigkeit als Berater genau der Punkt, der mich für sie komplett unglaubwüdig weden lässt. Denkbar wär’s zumindest!

4) Über Blogger-Relations Bescheid zu wissen bedeutet noch lange nicht gute Blogger-Relations machen zu können. Ich denke für mich ein ganz zentraler Aspekt. Das hängt jetzt ein wenig mit Punkt 3) zusammen. Gute und schlechte Beispiele zu kennen und die wichtigen Fallstricke umgehen zu können (z. B. Fakes), das ist die eine Sache. Die andere, im Dialog dann auch wirklich gut zu performen, ernst genommen zu werden, zur vertrauenswürdigen Quelle geadelt zu werden, etc. Und dazu ist mehr nötig, als bloß über die Do’s and Dont’s von Blogger-Relations informiert zu sein.

Mein Fazit. Ich sehe es mal als vorläufig weil sicher noch das eine oder andere Learning hinzukommen wird: Ich kann und sollte zu Themen sprechen, in denen ich zu Hause bin. Hierzu gibt es einige. Darüber hinaus kann ich Unternehmen, Agenturen, etc. beraten, wie sie es tun könnten. Selbst mit Teenagern und Styly-Queens zu kommunizieren, das sollte ich in Zukunft aber besser lassen!

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Eventkommunikation: Wie wichtig ist Twitter?

Musthave, Linkschleuder oder notwendiges Übel? Twitter kann so vieles sein und bedeuten. Kann im Rahmen von Kampagen oder einer laufenden Online-PR von Unternehmen so viel bewirken und wirft dennoch Fragen auf, die sich nicht immer ganz einfach beantworten lassen. So viele kennen sich so gut aus und schreiten weiter richtung Enterprise 2.0, Measurement und social Commerce. Grundsätzliche Fragen wie die eingangs aufgeworfene “Wie umgehen mit Twitter” werden dabei aber gerne mal umgangen oder fallen gelassen. Wir machen das und hinterfragen es nicht.

Dass ich mich hier mit Twitter auseinander setze hat damit zu tun, dass ich für einen Kunden während der letzten Wochen einen Twitter-Account hochgezogen und diesen während des Events betreut habe. Die Erfahrungen möchte ich hier teilen.

Zum Ausgangspunkt. Die Zeit war sehr knapp bemessen. Der Twitter-Account startete am 21. September 2011. Die darüber zu kommunizierende Veranstaltung, der Innovationskongress 2011, fand bereits am 17. und 18. November 2011 statt. Nicht viel Zeit also. Wie bin ich es angegangen?

#1 Ich habe mir mit Time.ly ein Tool gesucht, dass mich bei der Betreuung des Accounts optimal unterstützt. Das war extrem wichtig, da es mit einer Fanpage und einem Blog auch noch andere Kanäle gab, die betreut werden wollten. Mit Timely ist es möglich, Tweets im Voraus zu produzieren. Timely schaut sich dann die Follower an und errechnet den besten Zeiptunkt für das Versenden der im Voraus produzierten Tweets. Auch extem brauchbar an Timely ist die wöchentliche Auswertung per E-Mail.

#2 Neben den automatisch versendeten Tweets (ich weiß dass darüber einige die Nase rümpfen werden…) setzte ich mir auf Tweedeck einige Suchanfragen, die mir Tweets zu Begriffen wie “Innovationskultur” oder “OpenInnovation” lieferten. So gab es genügend Möglichkeiten gute Follower zu erkennen, hochwertige Inhalte über den eigenen Account weiterzutragen (Re-Tweets) und nebstbei auch Content für das Blog zu generieren. Dieses Kuratieren von Inhalten kann extrem spannend und lehrreich sein. Was es aber auf jeden Fall ist, es ist extrem zeitaufwändig. Einen Aspekt, den man bei der Betreuung von Twitter-Accounts bzw. natürich in der Angebotslegung niemals außer Acht lassen darf. Einen Twitter-Account wirklich mit guten Inhalten zu versorgen, das kostet massig Zeit. Das will kalkuliert sein!

#3 Die Inhalte. Wenn man sich die Twitter-Accounts von Veranstaltungen oder Firmen ansieht, dann haben sie zumeist die Funktion auf die Homepage hinzuweisen. Auf Presseaussendungen oder Artikel im Newsbereich zum Beispiel. Oder über das Unternehmen wird irgendwo im Internet etwas gesagt und der Twitter-Handle setzt dann einen Link dorthin. Am Twitter-Kanal vom Innovationskongress ging ich einen anderen Weg. Ich versuchte an die Community, an die ja bereits laufenden Diskussionen zu Innovationsthemen anzudocken. So komisch wie das klingt, ich versuchte meinen wenigen Zuhörern Nutzen zu stiften, ihnen Inhalte zu liefern, die im Weitesten mit Themen zu tun haben, die im Rahmen des Innovationskongresses behandelt wurden. Allgemeinen Innovations-Themen sozusagen. Lediglich ganz selten, insgesamt vielleicht zehn Mal, setzte ich Links auf die Veranstaltunshomepage oder sprach davon, dass es noch Restkarten gibt, etc. So werblich wollte ich nur selten sein und hatte vom Auftraggeber auch das OK dazu. Ein übrigens ganz wichtiger Punkt!

Welche Learings habe ich nun erzielen können?

a) Twitter ist für den Verkauf von Tickets für eine Veranstaltung nur sehr bedingt einsetzbar. Gleiches gilt für Twitter als Traffic-Bringer für die Homepage. Klar hätte man inhaltlich anders vorgehen können, was ich bewusst nicht getan habe. Aber in Summe kamen über Twitter lediglich sieben Besucherinnen auf die Homepage. Relaiv wenig. Bewertet man Twitter also ausschließlich aus dieser Perspektive, sollte man wohl die Finger davon lassen.

b) Twitter brachte der OnlinePR der Veranstaltung im Vorfeld vor allem guten Content. Wo sonst hätte ich auch nur annähernd so wertvolle Inhalte für die anderen Social Media Kanäle herbekommen können? Andererseits, um diese Quellen anzuzapfen hätte es nicht unbedingt einen eigenen Twitter-Account benötigt…

c) Vernetzung und der Aufbau von Online Reputation über Twitter brauchen Zeit. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt der Twitter-Account über 99 Follower. Einige unserer Zuhörer sind hier ganz sicher falsch, andere jedoch gehören exakt jener Klientel an, mit der sich langfristige Dialogbeziehungen auszahlen. An diesen Dialogbeziehungen heißt es nun weiterbauen, diese zu vertiefen, etc.

d) Veranstaltungskommunikation ohne Twitter ist nicht mehr denkbar. Wir verzeichneten während der zwei Tage dauernden Veranstaltung ein starkes Anwachsen der Tweets. Wenn social Media gestützte Unternahltungen zu einer Veranstaltung stattfinden, dann auf Twitter. Das was wir versucht haben war, einen Hashtag einzuführen um die Diskussion zur bzw. rund um die Veranstaltung möglichst auf einen Platz verfügbar zu halten bzw. damit auch besser monitoren zu können. Die Aufgabenstellung von mir während der Veranstaltung hat einfach darin bestanden, über Twitter relevante Inhalte zu re-Tweeten bzw. den anwesenden Twitterati bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Ebenfalls boten die vielen Tweets die Gelegenheit, sich mit Twitterati aus der Innovation-Community zu vernetzen. Es gelang mir ein paar Mal, Leute abzuholen oder ihre Fragen zu beantworten. Und dies ist eine große Stärke von Twitter bzw. kann eine sein.

e)Eine Twitter-Wall ist nicht zwingend erforderlich. Obwohl von mir angedacht gab es keine Twitterwall. Wir hätten das wenn, dann sauber machen wollen, was bedeutet hätte, dass wir es jedem Referenten frei stellen, ob während seiner Keynote hinter oder neben ihm eine Live-Twitterwall angezeigt wird. Das ging sich dann leider nicht mehr aus. So verlief die Diskussion ausschließlich auf Twitter und wurde den KonferenzteilnehmerInnen nicht angezeigt. Nachträglich betrachtet kein großes Drama. Was ich mich jedoch frage, ist, ob die Tweets eine andere Qualität bekommen hätten, wären sie öffentlich bzw. für alle der 900 im Saal versammelten KongressteilnehmerInnen live einsehbar gewesen. Weiters frage ich mich, ob Twitter dann zum Stellen von Fragen verwendet worden wäre.

f) Spontane Twitter-Meetings klappen nicht. Von ca. 15 – 20 anwesenden Twitterati kam nur einer zum vereinbarten Treffpunkt. Das Twittagessen, eine spontane Idee, die ich während der Twitter-Diskussionen aufwarf, kam nicht gut an. Vielleicht war es zu kurzfristig, vielleicht der falsche Event oder die falsche Ansprache

g) Ohne laufendes Monitoring geht gar nichts. Egal ob dieses über Tweetdeck, andere frei verfügbare Tools oder – wie bei mir – über die Engagement Console von Radian 6 gemacht wird. Auf Twitter tut sich in kürzester Zeit so viel an Inhalt, dass man eine Lösung braucht, die maximalen Überblick bietet. Man darf schießlich auch die anderen Kanäle wie Facebook, Blogs oder Mainstream-Medien während einer Veranstaltung nicht außer acht lassen. Das kann ganz schnell ins Auge gehn! Ich benutzte Radian6 und war dadurch alle 30 Sekunden über neue Meldungen informiert. Natürlich de luxe (aber als exklusiver Radian6 Partner sag ich das natürlich gerne ;))

Wie also umgehen mit Twitter? Als Linkschleuder ist es Twitter definitiv zu schade. Als Traffic-Lieferant wirkt es zumindest im vorliegenden Praxisbeispiel kaum. Dies inbesondere auch vor dem Hintergrund der gewählten Contentstrategie, die ja betont zurückhaltent war, was werbliche Inhalte anlangt. Ich tendiere dazu, zu sagen, dass Twitter für Veranstaltungen ab einer bestimmten Größe zum Standard-Repertoire gehört. Auch Veranstaltungen sollen ansprechbar sein, sollten zuhören, was, wer, wo über sie sagt. Twitter bietet darüber hinaus aber vor allem auch eine gute Möglichkeit, Inhalte einer Veranstaltung (Audio, Video, Slides, Texte) direkt ins Herz der Community zu bringen. Vorausgesetzt man verfügt über eine solche, sprich, hat sich im Vorfeld damit beschäftigt, Verbindungen zu relevanten Berührungsgruppen auf Twitter herzustellen.

Wer hat ähnliche / gerne auch andere Erfahrungen mit Twitter gemacht?

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Lasst Faymanns Social Media Team arbeiten!

Wie war das damals alles. Als ich im Oktober 2000 in die Kärntner Landespolitik kam. Als Pressesprecher! Mann o Mann, war ich stolz. Mann o Mann war ich naiv. Aber lassen wir das mal kurz. Ich habe mir jetzt eine halbe Stunde Zeit genommen, mir die Faymann / Failmann Story anzusehen. Kurzfassung: Kanlzler Faymann ist Social Media Spätzünder. Am vergangenen 26. Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, ging er mit einer Facebook-Page und einem Twitter-Account online. Rechtsauseh hazeh-Strache hat in der Zwischenzeit schon über 100.000 Fans aber der darf das anscheinend tun, ohne dass bei anderen die Alarmglocken läuten. Faymann wird von zahlreichen Experten und einem ganzen Stab an Mitarbeitern social Media technisch betreut. Was ist dabei heraus gekommen? Fake-Accounts auf Twitter und Facebook (für die das Team ja nix kann) und eine Debatte um des Bundeskanzlers neue social Media Kleider die immer neue Facetten bekommt, die nicht mehr enden will und die keiner braucht. Schon gar nicht Faymann selbst. Ich meine, man hat als Politiker wahrlich andere Probleme als sich mit Social Media herum zu schlagen. Oder doch nicht?

Die Sache mit unserem Bundeskanzler in sozialen Medien hat einen Haken. Weil es da jemanden bzw. ein Team gibt, das schonungslos offen legt, was bei Bundeskanzler Feymann nicht klappt (Worthülsen, Performance, Rhetorik). Jetzt mal offline gesprochen nicht klappt. Wenn man sich die ganze Sache aber mal online ansieht, wird das Bild düster. Fragen die sich mir stellen sind folgende: Wenn es denn stimmt, dass für die Social Media Dinge des Kanzlers neun Leute zuständig sind. Wie kann das eigentlich sein? Gibt es eine Notbremse für sinnlos ausgegebenes Steuergeld? Warum stellt sich Angelika Feigl, sie ist für Faymanns Social Meida Auftritt verantwortlich, an, wie sie sich anstellt? Warum gibt man sich so verschnupft und der öffentlichen Diskussion so widerwillig? Warum gibt man Fehler nicht zu. Darf man das nicht? Machen Bundeskanzler in sozialen Medien keine Fehler? Dürfen die das nicht, warum nicht?

Was ich schon weiß, ist, dass ich diese meine Zeilen nicht als Hindreschen auf ein gerade angelaufendes Social Media Projekt verstanden haben will. Hindreschen ist leicht und von außen äußerst unfein. Schließlich weiß man über die Beweggründe der Kampagne wenig, kann vieles nur vermuten. Ich denke aber, dass es nicht im Sinne der Leute hinter der Kampagne sein kann, was derzeit passiert. Und ich denke, dass man sich der laufenden Debatte jetzt wesentlich aktiver stellen könnte, als die Leute dies derzeit tun. Die Kritik an Faymanns Facebook und Twitter Auftritt analysieren, sie zu verstehen und dann Punkt für Punkt abzuarbeiten, das stünde meiner Meinung nach jetzt an der Tagesordnung. Schonungslos Stellung zu beziehen, die eigene Geschichte und die eigene Sicht der Dinge einzubringen und sich der Debatte zu stellen. Ein Interview bei Armin Wolf in der Nachrichtensendung ZiB II wäre dazu ein willkommener Anlass. Hingeheh, Fehler eingestehen, lernen, neu durchstarten. Das ist mein Rat. Jetzt alles hinzuschmeißen wäre meiner Meinung nach ebenso hirnlos wie verschnupft zu reagieren und sich der Debatte nicht zu stellen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie weh es tut, wenn der eigene Chef angefriffen, abgelehnt und mies gemacht wird. Ich kenne das und es tut weh. Persönlich weh tut es auch, sich eingestehen zu müssen, dass etwas nicht geklappt hat, dass man etwas nicht geschafft hat, wie man es sich ursprünglich vorgenommen hatte. In dieser Welt, in der immer alles perfekt und glossy zu sein hat. Das ist es aber nicht. Ich kann Gerhard Loub absolut nicht beipflichten, wenn er sagt, dass Social Media Trial and Error wäre. Herr Kollege, wir haben nicht mehr lange 2011 und schon bald 2012. Wir haben so dermaßen viele Politiker auf dieser Welt, die die Social Media Klaviatur so virtuos beherrschen, dass es eine wahre Freude ist ihnen zu folgen, zuzuhören, ach was sag ich, ihnen förmlich an den digitalen Lippen zu hängen. Die Zeiten von “probiermals mal” sind auch in Social Media Bereich längst vorbei. Wenn aber trotzdem Fehler passieren, geht es imho darum, wie man damit umgeht.

Wenn was schief geht, wenn was nicht klappt, so kann man daraus lernen. Man hat diese Chance und niemand kann einem davon abhalten zu lernen. Eine Kampagne die das tut, die mit dem was sie jetzt erleidet, erlernt und hoffentlich verseht, die aktiv nach vorne schaut und umsetzt, eine solche Kampagne würde ich als gelungen betrachten. Vor diesem Hingergrund wünsche ich den Social Media Leuten im Kanzleramt zweierlei. Einerseits das Povoir, anstehende Fragen etwa zu den Kosten des ganzen lückenlos zu beantworten. Warum ich mir das wünsche? Weil Leute in verantwortlichen Stellen oft nicht so dürfen wie sie wollen. Ich hoffe, dass Feigl darf, wie sie will und vor allem kann. Andererseits wünsche ich dem Team aber auch, dass es aus den zweifellos gemachten Fehlern lernen darf. Das geht aber nicht, wenn dem ganzen jetzt voreilig der Stecker gezogen wird. Lasst also Faymann und sein Social Media Team (einige drängende Fragen beantworten) arbeiten!

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